Lasst sie reden

„Lasst sie reden“ ist ein Lied über Eltern, die bleiben, wenn andere fordern, loszulassen. Über Müdigkeit, Verantwortung und Liebe, die von außen oft missverstanden wird.

Der Song erzählt aus der Perspektive eines Menschen, dessen Leben nicht entlang einfacher Regeln funktioniert. Er richtet sich gegen vorschnelle Urteile, gegen die Vorstellung, dass Alter automatisch Selbstständigkeit bedeutet, und gegen den Glauben, dass Fallen immer ein notwendiger Lernprozess ist.

Im Mittelpunkt stehen Eltern, die schützen, begleiten und auffangen. Nicht aus Kontrolle oder Angst, sondern aus Erfahrung. Aus dem Wissen darum, was passieren kann, wenn niemand mehr da ist. Das Lied macht sichtbar, was oft unsichtbar bleibt. Die Nächte, die Erschöpfung, das ständige Abwägen zwischen Loslassen und Dableiben.

„Lasst sie reden“ ist kein Rechtfertigungstext. Es ist eine klare Haltung. Ein Lied über Zusammenhalt, über Verantwortung füreinander und über Liebe, die sich nicht an Idealen orientiert, sondern an dem, was ein Mensch wirklich braucht.


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Der Text zum Song:

Ihr seht zwei müde Menschen
Mit grauen Haaren, schweren Blicken
Ihr seht mich neben ihnen
Und denkt, ich wär der Grund für ihr Ersticken

Ihr sagt: „Sie ist doch längst erwachsen“
Sagt es leise, sagt es laut
Als wär Alter ein Beweis
Dass man sein Leben selber baut

Ihr kennt nur Zahlen, Jahre
Nicht die Nächte, nicht die Angst
Nicht das Chaos, das entsteht
Wenn man mich einfach laufen lässt

Ihr redet über Freiheit
Als wär sie für alle gleich
Doch meine Freiheit endet da
Wo keiner mehr bei mir bleibt

Lasst sie reden
Lasst sie sagen, was sie wollen
Dass meine Eltern mich festhalten
Weil sie mich nicht loslassen können

Lasst sie reden
Von Verwöhnen, von Kontrolle
Doch keiner von euch fängt mich auf
Wenn ich wieder unten lande

Ihr sagt: „Irgendwann müsst ihr loslassen“
Als wär das ein Naturgesetz
Als wär Fallen ein Lernprozess
Und Scheitern einfach Teil des Tests

Ihr nennt sie überfürsorglich
Nennt es Angst, nennt es falsch
Doch ihr wart nie dabei
Wenn mein Kopf sich selbst zerreißt

Sie verwalten meine Fehler
Bevor sie zu Katastrophen werden
Und ihr nennt das Abhängigkeit
Ich nenn es Überleben lernen

Lasst sie reden
Von Normalität und Mut
Von Dingen, die man schaffen muss
Wenn man sich nur genug bemüht

Lasst sie reden
Doch hört endlich einmal zu
Meine Eltern sind kein Käfig
Sie sind der Grund, warum ich noch hier bin

Ihr liebt einfache Geschichten
Faul oder fleißig, schwach oder stark
Doch mein Gehirn passt nicht
In eure sauber sortierte Welt aus Schwarz

Ich vergesse, ich verstehe nicht
Ich handel, bevor ich nachdenke
Und jedes Mal steht ihr da
Und nennt es Charakterschwäche

Ihr bestraft, was ihr nicht versteht
Und nennt das dann gerecht
Doch Strafe ändert nichts
Wenn das Problem im Kopf entsteht

Sie sagen, wir müssten dich loslassen
Doch sie sehen nicht, was dann passiert
Sie sehen nur das Ideal
Nicht das Kind, das an uns verliert

Lasst sie reden
Von Selbstständigkeit und Pflicht
Doch keiner von euch trägt die Schuld
Wenn mein Leben wieder bricht

Lasst sie reden
Wir kennen die Wahrheit hier
Nicht loslassen ist kein Fehler
Es ist Liebe gegen den Absturz, gegen das Verlieren

Ich seh, wie müde sie geworden sind
Und das macht mich fertig
Ich will nicht ihre Last sein
Will nicht der Grund für ihre Kämpfe sein

Ich will einmal sagen können
„Jetzt bin ich dran, jetzt trag ich euch“
Doch heute reicht es oft nur
Dass ich morgen wieder aufsteh

Lasst sie reden
Sie müssen es nicht verstehen
Sie leben nicht mit den Folgen
Wenn sie weiter an uns ziehen

Lasst sie reden
Wir bleiben trotzdem hier
Nicht weil wir uns festklammern
Sondern weil Loslassen mich verliert

Vielleicht lern ich noch, mich selbst zu halten
Vielleicht nicht so, wie ihr es kennt
Aber hört auf, meine Eltern zu richten
Für etwas, das ihr nie durchlebt habt

Lasst sie reden.
Wir wissen, warum wir bleiben.

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